Mensch-Maschine-Interaktion

Kapitel 5: Mentale Modelle und Fehler

Übungsaufgaben

  • Ein Bekannter des Autors antwortete nicht auf die in seiner Webseite angegebene dienstliche E-Mail-Adresse. Darauf angesprochen begr√ľndete er, sein Rechner im B√ľro sei durch einen Wasserschaden k√ľrzlich defekt geworden, und damit auch seine Mailbox. Er m√ľsse nun von zuhause E-Mail lesen, und das sei eben eine andere Mailbox. Beschreiben oder skizzieren Sie das mentale Modell, das der Benutzer vom Gesamtsystem E-Mail hat, begr√ľnden Sie, woher er es haben k√∂nnte, und vergleichen Sie es mit dem tats√§chlichen (oder zumindest dem von Ihnen angenommenen) konzeptuellen Modell von E-Mail (egal ob POP oder iMap). Wo sind irref√ľhrende Elemente im pr√§sentierten Modell?

    E-Mail funktioniert wie die echte Post: Wenn das Haus abbrennt, sollte man erstmal an eine andere Adresse schicken. In Wirklichkeit lagert die E-Mail auf dem Server (= Postamt) und wird nur bei Bedarf abgeholt. Das entspricht etwa postlagernder Zustellung. Ein irref√ľhrende Element ist beispielsweise der grafisch dargestellte Briefkasten.

  • Ein anderer Bekannter rief eines Tages an, w√§hrend er ein Haus renovierte. Der Klempner hatte die Wasserh√§hne im Bad montiert, aber ihre Bedienung f√ľhlte sich eigenartig an. Der Bekannte bat den Klempner, die Drehrichtungen der Ventile umzukehren, aber auch danach schien die Bedienung immer noch eigenartig. Der Klempner rechnete vor, dass es noch 2 weitere Kombinationen gebe und dass er gerne daf√ľr Anfahrt und Montage berechne. Wir alle kennen solche Wasserh√§hne mit zwei Schraubventilen an den Seiten, einem f√ľr kaltes und einem f√ľr warmes Wasser. In der Regel ist das warme Wasser links und das kalte rechts. Doch in welche Richtung muss man die beiden Ventile drehen, damit Wasser kommt? Beide im Uhrzeigersinn? Beide dagegen? Beide so, dass sich die Handgelenke nach innen drehen? Oder nach au√üen? Schauen Sie nicht nach, sondern f√ľhren Sie eine kleine Umfrage in Ihrem Bekanntenkreis durch und finden Sie heraus, welche mentalen Modelle √ľber die Funktion eines Wasserhahns existieren, z.B. in Anlehnung an andere Systeme mit runden Regel-Elementen wie Heizk√∂rper, Gasherd oder Stereoanlage.

    Man findet alle Varianten dieser Wasserh√§hne, und viele verschiedene Vorstellungen davon. Grundlegend gibt es zwei verschiedene Modelle: Ventile gehen im Uhrzeigersinn zu, Regler regeln im Uhrzeigersinn zum h√∂heren Wert (Stereoanlage). Der Gasherd hingegen ist eine seltsame Mischform, da der Regler von Null zun√§chst auf den Maximalwert (Z√ľndung) und danach zum Minimum regelt. Dabei findet man beide Richtungen.

  • Analysieren Sie anhand der Abbildung 5.2 eine allt√§gliche Handlung am Bildschirm, z.B. das Umbenennen einer Datei in einer Desktop-Umgebung. Benennen Sie die konkreten Probleme, die in jedem Schritt auftreten k√∂nnen! Vergleichen Sie diese Probleme mit denen beim Umbenennen einer Datei in einer Kommandozeilen-Umgebung.

  • Recherchieren Sie im Web nach Seiten, die die Eingabe von Kalenderdaten mit bestimmten Einschr√§nkungen erfordern (z.B. Flugbuchung, Hinflug vor R√ľckflug). Wie gehen diese Seiten mit Eingabefehlern um? Diskutieren Sie den Tradeoff zwischen Programmieraufwand und Benutzerfreundlichkeit.

    Eingabefehler werden teilweise im Voraus verhindert w√§hrend der Auswahl in einem Kalender-applet, zum Beispiel durch das Ausgrauen von nicht validen Terminen. Meistens werden Fehleingaben aber erlaubt sein, man erh√§lt dann passende Fehlermeldungen und muss die Eingabe wiederholen. In manchen F√§llen st√ľrzt die Seite ab und man muss sie neu laden. Allgemein gilt, je mehr Hilfestellung man dem User im Voraus bietet, desto mehr Programmieraufwand hat man in der Entwicklung.